Diese Ausgabe deckt den Zeitraum vom 13. bis 24. August 2026 ab und schließt damit auch die vergangene Woche mit ein.
1 · 52 Prozent Aufschlag: KKR-Konsortium kauft das Maklernetzwerk Steadfast für 7,7 Milliarden
Der Vorstand des australischen Maklernetzwerks Steadfast Group hat sich einstimmig für die Annahme eines Übernahmeangebots ausgesprochen. Ein Konsortium aus dem Spezialversicherungs-Distributor Amwins Group, der Dragoneer Investment Group und dem Private-Equity-Haus KKR bietet 6,00 Australische Dollar je Aktie in bar und bewertet Steadfast damit mit rund 7,7 Milliarden Australischen Dollar (gut fünf Milliarden US-Dollar). Das entspricht einem Aufschlag von etwa 52 Prozent auf den Kurs vor Bekanntwerden des Angebots. Die Transaktion wird aufgeteilt: Amwins übernimmt das Assekuradeur- und Underwriting-Geschäft, Dragoneer und KKR erhalten das Maklergeschäft. Der Vollzug ist für Dezember geplant (Versicherungswirtschaft-heute, 21. August 2026; Reuters via Yahoo Finance).
Australien ist weit weg — die Botschaft ist es nicht. Finanzinvestoren zahlen für Maklervertrieb weiterhin erhebliche Aufschläge, weil wiederkehrende Courtageerlöse als planbar und krisenfest gelten. Genau dieses Argument trägt auch Ihren Bestandswert. Zwei Details lohnen den zweiten Blick: Erstens wird das Geschäft aufgeteilt — Underwriting geht an den einen, Maklergeschäft an den anderen Käufer. Auch bei kleineren Transaktionen ist es oft sinnvoll, Bestandsteile getrennt zu betrachten, statt alles in einem Paket zu verkaufen; Sach, Leben und Gewerbe erzielen selten denselben Faktor. Zweitens: Zwischen Angebot und Vollzug liegen hier rund vier Monate. Planen Sie auch bei Ihrem Verkauf realistische Fristen ein — und regeln Sie vertraglich, was in dieser Zwischenzeit mit Ihrem Bestand passiert. Wie sich einzelne Bestandsteile unterschiedlich bewerten lassen, zeigt unsere 3-Säulen-Methodik.
2 · Cash-Maklerpool-Hitliste 2026: 21 von 23 Pools wachsen — blau direkt um rund ein Drittel
Die neue Cash-Maklerpool-Hitliste ordnet 23 Marktteilnehmer nach ihrem Rohertrag. An der Spitze steht die Fonds Finanz mit 84,1 Mio. Euro, gefolgt von Jung, DMS & Cie. (71,9 Mio. Euro), blau direkt (63,4 Mio. Euro), Netfonds (54,4 Mio. Euro) und Verticus Finanzmanagement (22,1 Mio. Euro). Bemerkenswert ist die Breite des Wachstums: Bei 21 der 23 gelisteten Häuser stieg der Rohertrag, nur bei zweien (Allfinanztest, Sachpool) ging er leicht zurück. Am stärksten legte blau direkt mit rund 33 Prozent zu, VFM und DEMV kamen auf jeweils rund 30 Prozent. Einige bekannte Häuser fehlen in der Liste, weil sie keine Angaben gemacht haben — darunter Wifo und Vema (VersicherungsJournal, 18. August 2026).
Ein Poolmarkt, der fast flächendeckend wächst, ist ein gutes Zeichen für Verkäufer: Die Abwicklungsinfrastruktur hinter den Beständen wird größer, professioneller und finanzstärker — und viele Pools treten selbst als Käufer oder Vermittler von Nachfolgelösungen auf. Für die Bewertung Ihres Bestands ist vor allem eines relevant: Wo Ihre Courtagezusagen liegen und wie übertragbar sie sind. Ein Bestand, der sauber über einen leistungsfähigen Pool läuft, lässt sich technisch meist deutlich einfacher übergeben als ein Bestand mit dreißig Direktanbindungen und historisch gewachsenen Sondervereinbarungen. Prüfen Sie deshalb frühzeitig, welche Ihrer Anbindungen bei einem Verkauf überhaupt mitgehen — und welche der Käufer neu beantragen müsste. Das ist einer der häufigsten Gründe, warum ein rechnerisch attraktiver Kaufpreis später nachverhandelt wird. Mehr dazu im Ratgeber „Due Diligence: Was Käufer prüfen".
3 · Neuer Werttreiber: 72 Prozent der Makler sehen in KI eine Chance — 40 Prozent nutzen sie regelmäßig
Das Kölner Marktforschungsinstitut Heute und Morgen hat 284 Versicherungsmakler zum Einsatz künstlicher Intelligenz befragt. Ergebnis: 72 Prozent sehen in KI „eher große" oder „große" Chancen für ihre Arbeit, mehr als 75 Prozent haben bereits praktische Erfahrung gesammelt und 40 Prozent setzen KI regelmäßig ein. 39 Prozent der Maklerbüros nutzen KI-Chatbots, und 90 Prozent wollen ihren Einsatz in den kommenden drei bis fünf Jahren ausweiten. Bei den Anbietern liegen Fonds Finanz, DEMV/PWX und blau direkt vorn — allerdings können 42 Prozent der Befragten noch keinen klaren Favoriten benennen (Pfefferminzia, 13. August 2026).
Käufer bewerten nicht nur Ihre Courtageerlöse, sondern auch, wie viel Aufwand die Betreuung Ihres Bestands verursacht. Genau hier verschiebt sich gerade etwas: Wenn 40 Prozent der Makler KI bereits regelmäßig einsetzen, wird ein gut digitalisierter Bestand zum Normalfall — und ein Bestand mit Papierakten, uneinheitlicher Datenpflege und fehlenden E-Mail-Adressen zunehmend zum Sonderfall mit Abschlag. Sie müssen dafür nicht zum Technikvorreiter werden. Es reicht, wenn Ihr Maklerverwaltungsprogramm vollständig gepflegt ist, Dokumente digital vorliegen und die Kontaktdaten stimmen. Das ist die günstigste Wertsteigerung, die Sie vor einem Verkauf erreichen können — und sie wirkt unmittelbar auf den Bewertungsfaktor. Wo Ihr Bestand in Sachen Qualität heute steht, zeigt Ihnen der Bewertungsrechner mit BQS-Score.
4 · Frühstart-Rente: BVK wehrt sich gegen ein staatliches Einheitsmodell ohne Beratungspflicht
Um die im August vom Kabinett beschlossene Frühstart-Rente ist ein vertriebspolitischer Streit entbrannt. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg schlägt vor, die Frühstart-Rente über ein staatlich verwaltetes Kollektivmodell als Standardlösung abzuwickeln und auf eine verpflichtende Beratung zu verzichten — aus Sorge, der Beratungstermin werde genutzt, um Eltern zusätzliche Vorsorgeprodukte zu verkaufen. Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) widerspricht deutlich. BVK-Präsident Michael H. Heinz: „Eine staatliche Standardlösung für alle ist nicht der richtige Weg." Der Verband kritisiert insbesondere den Verzicht auf verpflichtende Beratung sowie die automatische Überführung des Guthabens in ein staatliches Standarddepot bei Volljährigkeit (Cash., 14. August 2026).
Hinter dem Streit steht eine Frage, die für den Wert Ihres Bestands unmittelbar relevant ist: Bleibt der Zugang zu jungen Kundengenerationen über die Beratung offen — oder läuft er künftig am Vermittler vorbei? Fällt die Beratungspflicht weg und wird ein staatliches Standarddepot zur Voreinstellung, entfällt für Ihr Büro ein naheliegender Anlass, mit Bestandskunden über deren Kinder und Enkel ins Gespräch zu kommen. Da das Durchschnittsalter Ihrer Kundschaft einer der stärksten Werttreiber im Bewertungsfaktor ist, entscheidet sich hier mit, wie leicht sich Bestände in den kommenden Jahren verjüngen lassen. Solange das Gesetzgebungsverfahren läuft, gilt praktisch: Nutzen Sie den Anlass jetzt, statt auf die endgültige Fassung zu warten. Und beobachten Sie, welche Variante sich durchsetzt — das ist eine der wenigen Regulierungsfragen dieses Jahres mit direkter Wirkung auf Bestandswerte.
5 · In eigener Sache: Warum der größte Aufkäufer nicht automatisch die beste Lösung ist
In der Fachzeitschrift AssCompact ist ein Beitrag zur Frage erschienen, ob beim Bestandsverkauf immer der große Aufkäufer die richtige Adresse ist. Der Kern des Arguments: Eine Bestandsübertragung ist nicht nur eine wirtschaftliche Transaktion, sondern vor allem ein sensibler Übergang von Verantwortung — und sie gelingt selten als sofortiger Rückzug, sondern meist mit einer begleitenden Rolle des bisherigen Maklers. Ebenfalls beschrieben: Jüngere Makler interessieren sich durchaus für Bestandskäufe als Wachstumstreiber, zögern aber wegen Finanzierung, Haftung und Kundenbindung. Bestandsübertragung ist damit kein reines Ruhestandsthema, sondern ein strategisches Instrument (AssCompact, 19. August 2026 — Beitrag von Ramon Heinze, NWF Finanz Consulting).
Der größte Käufer zahlt nicht zwangsläufig den besten Preis — und fast nie die besten Bedingungen für Ihre Kunden. Große Konsolidierer arbeiten mit standardisierten Prozessen, festen Faktorbändern und eigenen Betreuungsstrukturen. Das kann passen. Es passt aber nicht, wenn Ihr Bestand von persönlicher Bindung lebt, wenn Sie Mitarbeitende mit übergeben wollen oder wenn Ihnen wichtig ist, wer Ihre Kunden in fünf Jahren betreut. In diesen Fällen ist ein kleinerer, regional passender Käufer häufig die bessere Lösung — auch wenn der Nominalpreis zunächst niedriger aussieht. Vergleichen Sie deshalb nicht nur Kaufpreise, sondern Kaufpreis, Zahlungsstruktur, Haftungsregelung und Betreuungskonzept in einer Übersicht. Für Käuferseite gilt spiegelbildlich: Wer Finanzierung und Haftung früh klärt, kommt gegen kapitalstarke Wettbewerber überraschend oft zum Zug. Wie ein strukturierter Prozess aussieht, erklärt der Ratgeber „Den Verkauf richtig vorbereiten"; die Modelle im Vergleich finden Sie unter „Maklerrente oder Einmalverkauf?". Steuerliche Folgen der gewählten Struktur besprechen Sie bitte frühzeitig mit Ihrem Steuerberater — Grundlagen dazu im Ratgeber „Steuern beim Bestandsverkauf". Dies ist keine Steuerberatung.
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