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Markt-Update · KW 33/2026

Rückbeteiligung statt Komplettausstieg, internationale Käufer, ein geplatzter Bestandsdeal

5 Meldungen · 8 Min. Lesezeit · Von Ramon Heinze · Stand: 12. August 2026

1 · Nachfolge mit Rückbeteiligung: GGW-Tochter LBU Austria übernimmt Gewerbemakler Hochnegger

Die Leading Brokers United Austria (LBUA), eine Tochter der Hamburger GGW-Gruppe, hat den Gewerbespezialisten Hochnegger Versicherungsmakler GmbH übernommen. Das 1995 gegründete Unternehmen beschäftigt acht Mitarbeitende an drei Standorten (Eibiswald, Pörtschach, Graz) und ist auf Betriebs-, Haftpflicht- und Rechtsschutzpolicen für das Bau- und Baunebengewerbe spezialisiert. Interessant ist die Struktur: Die bisherigen Eigentümer Helmut Hochnegger (58) und sein Sohn Nico (31) behalten die operative Leitung und erhalten eine Rückbeteiligung an der LBUA-Gruppe (Versicherungswirtschaft-heute, 5. August 2026).

Was das für Sie bedeutet

Dieser Deal zeigt ein Modell, das in Verkaufsgesprächen zunehmend auf dem Tisch liegt: Rückbeteiligung statt Komplettausstieg. Sie verkaufen Ihren Betrieb, erhalten aber Anteile an der Käufergruppe und bleiben an deren weiterer Wertentwicklung beteiligt. Das kann sich rechnen — verlagert aber einen Teil Ihres Kaufpreises in ein unternehmerisches Risiko, das Sie nicht mehr selbst steuern. Prüfen Sie deshalb genau, welcher Anteil sofort fließt, welcher an Bedingungen hängt und wie Sie aus der Beteiligung wieder herauskommen. Der zweite Punkt: Auch hier bleibt die Verkäuferseite operativ an Bord — Inhaberabhängigkeit wird nicht mehr nur als Risiko gesehen, sondern über Bindungsmodelle gelöst. Worauf Sie bei Vertragskonstruktionen achten sollten, zeigt unser Ratgeber „Due Diligence: Was Käufer prüfen".

2 · Internationaler Käuferkreis: Friendsurance geht an den australischen Insurtech-Konzern Cover Genius

Der Berliner Makler und Bancassurance-Spezialist Friendsurance wird von der australischen Cover Genius Holdings übernommen — abgewickelt über deren niederländische Tochtergesellschaft. Friendsurance startete 2011 mit einem Peer-to-Peer-Modell, wandelte sich später zum klassischen Versicherungsmakler und konzentriert sich seit 2017 auf das B2B-Geschäft mit Banken. Die rund 40 Mitarbeitenden sollen ihre Arbeitsplätze behalten. Cover Genius erreicht nach eigenen Angaben weltweit über 73 Millionen Kunden. Zum Kaufpreis sagte Geschäftsführer Tim Kunde nur, die finanziellen Konditionen würden nicht offengelegt (VersicherungsJournal, 11. August 2026).

Was das für Sie bedeutet

Zwei Lehren stecken darin. Erstens: Der Käuferkreis für deutsche Vermittlerbetriebe ist längst international — neben Private-Equity-gestützten Konsolidierern treten strategische Käufer aus dem Ausland an, die sich Marktzugang und Vertriebswege einkaufen. Für Sie als Verkäufer erhöht das den Wettbewerb um gute Bestände. Zweitens: Kaufpreise werden praktisch nie veröffentlicht. Sie können sich also nicht an Pressemeldungen orientieren, sondern brauchen eine eigene, nachvollziehbare Bewertung Ihres Bestands, bevor Sie in Verhandlungen gehen. Eine erste Einordnung liefert Ihnen unser Bewertungsrechner.

3 · Wenn ein Bestandsdeal platzt: R+V stoppt den Verkauf der Condor Leben — 219.000 Verträge bleiben im Konzern

Im März 2026 hatten die R+V und der Frankfurter Investor Acathia Capital eine Absichtserklärung über den Verkauf der Condor Lebensversicherung unterzeichnet, der Abschluss war für das zweite bis dritte Quartal geplant. Nun ist der Deal geplatzt: Die rund 219.000 Verträge — klassische Lebensversicherungen mit Garantiezins, fondsgebundene Rentenprodukte, bAV und Berufsunfähigkeitsschutz — bleiben im R+V-Konzern. Zu den Gründen für das Scheitern äußerten sich weder die R+V noch Acathia Capital. Für die Kundinnen und Kunden bleiben Leistungen, Garantien und Ansprüche unverändert (expertenReport, 3. August 2026).

Was das für Sie bedeutet

Auch bei professionell begleiteten Transaktionen gilt: Eine Absichtserklärung ist kein Vertrag. Zwischen Handschlag und Vollzug liegen Due Diligence, Finanzierung und Genehmigungen — und jeder dieser Schritte kann einen Deal noch kippen. Praktische Konsequenzen für Ihren Bestandsverkauf: Halten Sie parallel mehr als einen Interessenten warm, kommunizieren Sie Ihren Ausstieg nicht zu früh nach außen, und klären Sie vorab, wer Ihre Kunden weiterbetreut, wenn nichts zustande kommt. Wie ein belastbarer Prozess aussieht, erklärt unser Ratgeber „Den Verkauf richtig vorbereiten".

4 · Regulierung: Kabinett beschließt die Frühstart-Rente — 10 Euro monatlich ab dem sechsten Geburtstag

Das Bundeskabinett hat am 12. August 2026 den Gesetzentwurf zur Frühstart-Rente beschlossen. Vorgesehen ist: Für jedes Kind, das sein sechstes Lebensjahr abgeschlossen hat, können Eltern bei einem Anbieter ihrer Wahl ein individuelles, kapitalgedecktes Altersvorsorgedepot eröffnen. Der Staat zahlt dort 10 Euro pro Monat ein — bis zur Volljährigkeit. Gestartet wird mit dem Geburtsjahrgang 2020. Zusätzliche private Einzahlungen, etwa von Eltern oder Großeltern, sind bis zu 6.840 Euro pro Jahr möglich. Das Gesetzgebungsverfahren soll bis Ende 2026 abgeschlossen sein (Bundesregierung, BMF-FAQ).

Was das für Sie bedeutet

Für die Bewertung Ihres Bestands ist das Kundenalter einer der wichtigsten Werttreiber — je jünger Ihre Kundschaft, desto länger die erwartete Vertragsdauer und desto höher der Faktor. Die Frühstart-Rente schafft einen konkreten Anlass, mit Bestandskunden über deren Kinder und Enkel zu sprechen und junge Jahrgänge an Ihr Büro zu binden. Wer diesen Hebel in den kommenden zwölf bis achtzehn Monaten nutzt, verbessert genau die Kennzahl, auf die Käufer schauen. Für Käufer gilt umgekehrt: Ein Bestand mit spürbarem Anteil junger Kunden und Vorsorgeverträgen ist deutlich attraktiver als ein reiner Sach-Bestand mit Durchschnittsalter 60+. Welche Kriterien in die Bewertung einfließen, zeigt unsere 3-Säulen-Methodik.

5 · Über den Maklermarkt hinaus: Nachfolge-Barometer — 70 % der Nachfolger kaufen aus eigener Tasche

Wer sind eigentlich die Menschen, die Unternehmen im Mittelstand übernehmen? Das Nachfolge-Barometer Q2 2026 von New Mittelstand hat dazu 119 vollständige Antworten ausgewertet — davon 76 aktiv suchende Nachfolger, 15 Investoren und 18 Dienstleister. Die Ergebnisse: 70 % der Suchenden finanzieren self-funded, also im Wesentlichen aus eigenem Vermögen; 13 % arbeiten über einen Search Fund. 59 % benötigen zusätzlich eine Bank- oder Akquisitionsfinanzierung. Bei der Zielgröße zeigt sich eine klare Zweiteilung: 63 % der Einzel-Nachfolger suchen Unternehmen mit unter 1 Mio. Euro EBITDA, während 93 % der Investoren erst ab 1 Mio. Euro einsteigen (New Mittelstand, Nachfolge-Barometer Q2 2026).

Was das für Sie bedeutet

Übertragen auf den Maklermarkt erklärt das eine Beobachtung aus der Praxis: Unterhalb der großen Konsolidierer besteht der Käuferkreis überwiegend aus Einzelpersonen und kleineren Maklerhäusern, die den Kauf selbst finanzieren müssen. Für Sie als Verkäufer heißt das: Finanzierbarkeit ist ein Bewertungsfaktor. Ein Kaufpreis, den ein Käufer nicht darstellen kann, führt nicht zu einem höheren Erlös, sondern zu keinem Abschluss — oder zu einer Kaufpreisstruktur mit langer Ratenzahlung und entsprechendem Ausfallrisiko für Sie. Wer flexibel über Zahlungsmodalitäten spricht, verkauft in der Praxis schneller und sicherer. Die gängigen Modelle vergleicht unser Ratgeber „Maklerrente oder Einmalverkauf?". Steuerlich sollten Sie die gewählte Struktur früh mit Ihrem Steuerberater durchsprechen — Grundlagen dazu im Ratgeber „Steuern beim Bestandsverkauf". Dies ist keine Steuerberatung.

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