1 · Zukäufe gehen weiter: Attikon und Maklerwelt übernehmen im Juli je einen Vermittlerbetrieb
Die Übernahmewelle am Maklermarkt läuft ungebremst weiter — und nicht nur bei den großen Plattformen. Die Attikon Finanz AG hat den auf Family Offices und vermögende Privatkunden spezialisierten Düsseldorfer Makler B&S Assekuranz- und Finanzmanagement (Bublitz & Slomka oHG) übernommen; die beiden Gründer betreuen ihre Kunden weiterhin persönlich. Zeitgleich hat die Maklerwelt GmbH aus Eisenach die Culina GmbH & Co. KG aus Saalfeld gekauft. Kaufpreise wurden in beiden Fällen nicht genannt. Beide Käufer betonen, dass Bestandsübernahmen „nicht zum Verlust persönlicher Betreuung führen" sollen (VersicherungsJournal, 22. Juli 2026).
Nicht nur die großen, Private-Equity-gestützten Konsolidierer kaufen zu — auch mittelgroße, spezialisierte Käufer sind aktiv. Für Sie als Verkäufer heißt das: Ihr Käuferkreis ist größer und vielfältiger, als es die Schlagzeilen der Branchenriesen vermuten lassen. Auffällig ist, dass der Erhalt der persönlichen Kundenbetreuung inzwischen offen als Verkaufsargument kommuniziert wird — ein Signal, dass ein gut geführter, persönlich betreuter Bestand seinen Wert behält. Wie Sie Ihren Bestand so aufstellen, dass genau diese Qualitäten sichtbar werden, zeigt unser Ratgeber „Den Verkauf richtig vorbereiten".
2 · MarshBerry: 24 Transaktionen im ersten Quartal — Konsolidierung wird selektiver
Der M&A-Berater MarshBerry zählte im ersten Quartal 2026 im DACH-Markt für Versicherungsvermittlung 24 veröffentlichte Transaktionen — die tatsächliche Zahl dürfte höher liegen, da kleinere Deals oft nicht publik werden. Die Dynamik bleibt hoch, verschiebt sich aber spürbar: hin zu kleineren, spezialisierten Maklern und einem selektiveren Vorgehen der Käufer. Als Leitmotiv nennt MarshBerry „Qualität schlägt Quantität". Zu den prägenden Deals des Quartals zählten die Übernahme des Maklerpools Netfonds durch blau direkt, der Kauf von LTA durch Aon und der Erwerb von Krose durch Gallagher (MarshBerry).
„Qualität schlägt Quantität" ist keine Marketingfloskel, sondern die zentrale Botschaft für jeden, der über einen Verkauf nachdenkt. Käufer achten heute stärker auf strategischen Fit, saubere Datenqualität und den Anteil wiederkehrender Erträge als auf reine Bestandsgröße. Ein durchdacht strukturierter Bestand erzielt bessere Konditionen als ein großer, aber unaufgeräumter — und genau diese Struktur können Sie vor dem Verkauf aktiv verbessern. Wo Ihr Bestand heute steht, zeigt Ihnen unser Bewertungsrechner mit dem BQS-Score.
3 · Vermittlerregister zum 1. Juli: Zahl der Vermittler sinkt — die der Makler steigt
Der Blick ins DIHK-Vermittlerregister bestätigt einen Trend, der Bestandsverkäufern in die Hände spielt: Zum Stichtag 1. Juli 2026 waren 178.810 Versicherungsvermittler nach § 34d GewO eingetragen — 100 weniger als Anfang April. Gegen den allgemeinen Rückgang legte ausgerechnet die Gruppe der Versicherungsmakler erneut zu, auf 47.244 Eintragungen (plus 217). Deutlich rückläufig waren dagegen die gebundenen Vertreter mit 97.780 Eintragungen (minus 382) (AssCompact).
Der Gesamtmarkt schrumpft, die Maklerschaft professionalisiert sich und wächst. Für Sie als Verkäufer heißt das: Qualifizierte Bestände werden knapper — und damit gefragter. Für Käufer entsteht ein interessantes Bild: Immer mehr, oft altersbedingt, freiwerdende Bestände treffen auf eine wachsende, aber wählerischer werdende Maklerschaft. Beide Seiten profitieren davon, den richtigen Zeitpunkt nicht zu verpassen. Warum das Timing zählt, lesen Sie im Ratgeber „Warum jetzt der richtige Zeitpunkt ist".
4 · Über den Maklermarkt hinaus: KfW-Panel — Wunschpreis 499.000 Euro, rund das 1,2-Fache des Jahresumsatzes
Wie sich Preisvorstellungen bei der Unternehmensnachfolge im Mittelstand entwickeln, zeigt das KfW-Mittelstandspanel: Der durchschnittlich angestrebte Verkaufspreis liegt inzwischen bei 499.000 Euro (2019: 372.000 Euro), als typischer Multiplikator wird rund das 1,2-Fache des Jahresumsatzes angesetzt. 27 Prozent der verkaufswilligen Inhaber verlangen mittlerweile mehr als eine Million Euro (2019: 18 Prozent). Zugleich planen bis Ende 2029 rund 569.000 Unternehmen die Schließung — erstmals wollen mehr Inhaber schließen als übergeben (KfW Research).
Diese Zahlen sind ein nützlicher Kontrast: Im breiten Mittelstand wird oft grob mit einem Umsatz-Multiplikator von rund 1,2 gerechnet — Maklerbestände werden dagegen auf Basis der wiederkehrenden Bestandscourtage bewertet, mit ganz anderen Faktoren. Wer beides verwechselt, verschätzt sich leicht. Für Verkäufer heißt das: Ein realistischer, sauber begründeter Preis auf der richtigen Bemessungsgrundlage erhöht Ihre Chancen deutlich mehr als eine ambitionierte Wunschzahl. Die Logik hinter den Faktoren für Bestände erklärt unsere 3-Säulen-Methodik. Steuerlich gehört ein Verkauf früh mit dem Steuerberater durchdacht — Grundlagen dazu im Ratgeber „Steuern beim Bestandsverkauf". Dies ist keine Steuerberatung.
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