Die stille Welle, die gerade über die deutsche Maklerlandschaft rollt
In Deutschland sind heute rund 46.000 Versicherungsmakler mit einer Erlaubnis nach §34d Gewerbeordnung am Markt. Das klingt nach einer großen, lebendigen Branche. Tatsächlich aber ist diese Zahl rückläufig — und der Grund dafür ist nicht etwa eine Welle von Marktaustritten junger Makler. Es ist Demografie.
Mehr als die Hälfte aller §34d-Makler in Deutschland ist heute über fünfundfünfzig Jahre alt. Mehr als ein Drittel hat die sechzig bereits überschritten. In manchen Regionen — gerade in Flächenländern wie Niedersachsen, Schleswig-Holstein oder Mecklenburg-Vorpommern — liegt der Anteil noch deutlich höher. Wer bei einem Branchentreffen wie der DKM oder der MMM-Messe bewusst durch die Reihen schaut, sieht es mit eigenen Augen: Dies ist die Generation, die das deutsche Maklergeschäft aufgebaut hat. Und es ist die Generation, die in den nächsten zehn Jahren geschlossen in den Ruhestand gehen wird.
Das hat zwei Konsequenzen, die für Bestandshalter unmittelbar finanziell relevant sind.
Konsequenz 1: Eine Angebotsschwemme kommt
In den nächsten Jahren werden in Deutschland tausende Maklerbestände gleichzeitig auf den Markt kommen. Schon heute sind die Anzeigenrubriken einschlägiger Fachmedien — AssCompact, procontra, Versicherungsbote, Cash — voller Inserate. In fünf Jahren wird es ein Vielfaches sein.
Angebot und Nachfrage funktionieren auch im Maklergeschäft: Wer als einer der ersten verkauft, profitiert von einem leergefegten Markt. Wer als einer der letzten verkauft, konkurriert mit hunderten ähnlicher Bestände um die Aufmerksamkeit der wenigen ernsthaften Käufer.
Konsequenz 2: Die Käuferseite professionalisiert sich
Was vor zehn Jahren noch oft zwischen zwei Maklern auf dem Parkplatz einer Versicherer-Tagung verhandelt wurde, ist heute ein eigenständiges Marktsegment mit Beratern, Datenraum-Anbietern, spezialisierten Anwaltskanzleien und — entscheidend — mit Käufern, die mit Excel-Modellen, Multiple-Tabellen und Due-Diligence-Checklisten ankommen. Wer als Verkäufer nicht ebenso vorbereitet auftritt, verliert in der Verhandlung systematisch.
Fünf Käufergruppen, die heute den Markt prägen
Vor fünfzehn Jahren bestand der typische Käufer aus genau einer Kategorie: ein anderer Makler aus der Region. Heute sind es fünf relevante Gruppen, die für denselben Bestand systematisch unterschiedliche Preise zahlen:
- Maklerpools wie BCA, JDC, Fonds Finanz oder blau direkt — kaufen Bestände einerseits, um angeschlossene Makler beim Wachstum zu unterstützen, andererseits zur Konsolidierung in eigene Vehikel.
- Konsolidierer und Plattformbetreiber, häufig finanziert von Private Equity, die binnen weniger Jahre durch zugekaufte Bestände dreistellige Millionenumsätze aufbauen.
- MGAs und versichererzugehörige Vehikel, die strategisch Bestände in bestimmten Sparten oder Regionen einkaufen.
- Klassische Konkurrenzmakler — meist regional, häufig der historische Standardkäufer.
- Junge Makler in der Aufbauphase, die durch einen Bestandskauf in fünf Jahren erreichen wollen, wofür sie sonst zwanzig Jahre Eigenakquise bräuchten.
Jede dieser Gruppen rechnet anders. Jede hat andere Prioritäten. Wer die Käuferlandschaft nicht kennt, geht in eine Verhandlung, in der die Gegenseite ein Spielbrett vor sich hat — und Sie noch nicht einmal wissen, dass gespielt wird.
Was es kostet, nicht vorbereitet zu sein
Ein Maklerbestand, der ohne Vorbereitung verkauft wird, erzielt typischerweise zwanzig bis vierzig Prozent weniger als derselbe Bestand, der drei bis fünf Jahre vorher strategisch auf den Verkauf vorbereitet wurde.
Bei einem Bestand mit 300.000 Euro Jahrescourtage entspricht das einem Unterschied von siebzig- bis hundertfünfzigtausend Euro. Bei einem 800.000-Euro-Bestand reden wir über sechsstellige Beträge mittlerer Größenordnung. Bei einem siebenstelligen Bestand kann es um den Wert eines Eigenheims gehen.
Diese Differenz kommt nicht daher, dass vorbereitete Verkäufer „cleverer verhandeln". Sie kommt aus konkreten, nachprüfbaren Faktoren, die Käufer in ihre Bewertung einrechnen — Faktoren, die vor dem Verkaufsprozess gestaltet werden müssen, nicht währenddessen: Stornoquoten, die nachweislich gesunken sind. Ein vollständig digitales Maklerverwaltungsprogramm. Ein gezielt verschobener Sparten-Mix. Saubere Beratungshistorien. Schriftliche Maklerverträge statt mündlicher Vereinbarungen aus den Achtzigerjahren.
Jeder einzelne dieser Punkte lässt sich in den letzten Jahren vor einem Verkauf gezielt verbessern. Keiner davon lässt sich kurz vor Vertragsunterzeichnung noch korrigieren.
Vorbereitung schlägt Markt-Timing
Eine häufige Frage: Soll ich auf einen besonders günstigen Marktzyklus warten? Die ehrliche Antwort: Zyklische Schwankungen machen typischerweise zehn bis maximal zwanzig Prozent im Multiple aus. Die Effekte einer guten oder schlechten Vorbereitung liegen bei zwanzig bis vierzig Prozent. Die Vorbereitung schlägt das Markt-Timing fast immer.
Der pragmatische Rat lautet deshalb: Bereiten Sie sich vor, sobald die innere Entscheidung gefallen ist. Beobachten Sie den Markt nebenbei. Auf das nächste perfekte Marktfenster zu warten, kostet Sie meistens mehr, als das Marktfenster selbst Ihnen einbringen würde.
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