1 · Konsolidierung läuft weiter: SRG kauft Anfang Juli den nächsten Spezialmakler
Die Zukaufserie am deutschen Maklermarkt reißt nicht ab: Der Konsolidierer SRG (Specialist Risk Group) hat Anfang Juli den nächsten Spezialmakler übernommen (Versicherungsmonitor, 2. Juli 2026). Der Zukauf reiht sich in eine Serie von Übernahmen ein, mit der finanzstarke, oft Private-Equity-gestützte Aufkäufer den fragmentierten deutschen Markt weiter verdichten.
Spezialisierung schafft Wert: Gerade Bestände mit einem klaren fachlichen Schwerpunkt (Gewerbe, Industrie, eine bestimmte Nische) sind für strategische Käufer besonders attraktiv, weil sie eine vorhandene Kompetenz gezielt ergänzen. Wenn Ihr Bestand ein erkennbares Profil hat, sollten Sie es im Verkaufsprozess klar herausarbeiten — es ist ein Preisargument, kein Nebensatz.
2 · Aufkäufer werden wählerischer: „über 90 Übernahmen" 2025 — 2026 zählt Preisdisziplin
Der Übernahmemarkt hat sich normalisiert: Für 2025 zählt AssCompact über 90 relevante Übernahmen — erkennbar unter dem Rekordjahr 2024. Zu den aktiveren Aufkäufern gehörten zuletzt Attikon, Global, HBC und Helmsauer. Für 2026 erwarten Beobachter, dass die Konsolidierer stärker auf Profitabilität achten und „größere Preisdisziplin walten lassen": Top-Ziele sollten stabile Bewertungen behalten, schwächere Kandidaten könnten dagegen unter Druck geraten (AssCompact). Langfristig könnten weniger als 1.000 relevante Maklerunternehmen übrig bleiben.
Der Markt trennt zunehmend zwischen „Top-Ziel" und „schwachem Kandidaten" — und genau diese Einordnung entscheidet über Ihren Kaufpreis. Was einen Bestand zum Top-Ziel macht, ist selten der Zufall: saubere Datenqualität, gute Stornoquoten, eine ausgewogene Alters- und Spartenstruktur. Das ist der Teil, den Sie vor dem Verkauf aktiv beeinflussen können. Wie Sie dabei vorgehen, zeigt unser Ratgeber „Den Verkauf richtig vorbereiten".
3 · Bestandspreise: Gut gepflegte Bestände erreichen Faktor 3,0 bis 3,5 — Asset Deal rund 30 % höher
Die Preise für Maklerbestände sind über die Jahre spürbar gestiegen: Wurden vor fünf Jahren die meisten Bestände bis zum Faktor 2,5 auf die Bestandscourtage gehandelt, sind bei gut gepflegten Beständen heute Faktoren von 3,0 bis 3,5 möglich. Bemerkenswert auch die Struktur des Deals: Ein Asset Deal (Kauf des Bestands) bringt laut Marktbeobachtern rund 30 % höhere Kaufpreise als ein Share Deal (Kauf der Gesellschaft), berichtet Pfefferminzia.
Der Preis entsteht aus zwei Hebeln: der Pflege des Bestands und der Struktur des Verkaufs. Das Wort „gut gepflegt" ist dabei kein Marketing, sondern ein messbarer Zustand — und der Unterschied zwischen Faktor 2,5 und 3,5 sind bei 200.000 € Jahrescourtage schnell 200.000 € Kaufpreis. Eine erste, belastbare Einordnung liefert unser Bewertungsrechner; die Logik hinter den Faktoren erklärt die 3-Säulen-Methodik. Ob im Einzelfall Asset- oder Share-Deal sinnvoller ist, hängt auch von Steuer und Haftung ab und gehört früh mit Steuerberater und Anwalt geklärt.
4 · Regulierung: EU-Kleinanlegerstrategie ohne Provisionsverbot — aber mit neuem „Inducement-Test"
Für die vergütungsseitige Grundlage vieler Bestände gibt es Planungssicherheit: In der EU-Kleinanlegerstrategie (Retail Investment Strategy) ist ein generelles Provisionsverbot vom Tisch. Der Ausschuss der Ständigen Vertreter (COREPER II) hat den Kompromisstext am 5. Juni 2026 gebilligt; Vergütungen bleiben zulässig, sofern sie den Kundeninteressen nicht entgegenstehen und einen konkreten Nutzen bieten. Neu eingeführt wird ein EU-weiter Inducement-Test. Die Abstimmung im EU-Parlament ist für September 2026 geplant, die finalen Gesetzestexte werden Ende 2026 erwartet; angewendet werden die Regeln voraussichtlich frühestens Ende 2028 (Cash., procontra).
Provisions- und Courtagemodelle bleiben die Basis der Bestandsbewertung — die zentrale Sorge der vergangenen Jahre ist damit vorerst ausgeräumt. Für Käufer wie Verkäufer heißt das: Die wiederkehrenden Erträge, auf denen jeder Kaufpreis fußt, stehen regulatorisch auf gefestigterem Boden. Der offene Punkt bleibt die genaue Definition des „Kundennutzens" — eine gute, dokumentierte Beratungsqualität im Bestand wird dadurch tendenziell noch wertvoller. Dies ist keine Rechtsberatung.
5 · Über den Maklermarkt hinaus: DIHK-Nachfolgereport — auf rund 10.000 übergabereife Betriebe nur etwa 4.000 Interessenten
Der Nachfolgeengpass zieht sich durch den gesamten Mittelstand: Laut DIHK-Nachfolgereport suchten 2024 knapp 10.000 Unternehmen bei den IHKs Rat zur Übergabe — dem standen nur rund 4.000 potenzielle Nachfolger gegenüber. 27 % der beratenen Betriebe dachten über eine Schließung nach; über zehn Jahre könnten so bis zu 250.000 Unternehmen vom Markt verschwinden. Über 70 % der Übergaben sind altersbedingt (DIHK-Nachfolgereport).
Maklerbestände konkurrieren am Nachfolgemarkt mit hunderttausenden anderen Unternehmen um eine knappe Zahl qualifizierter Käufer. Der entscheidende Vorteil eines Bestands mit wiederkehrender Courtage: Er ist für Käufer planbarer als die meisten anderen Geschäftsmodelle — aber nur, wenn diese Planbarkeit dokumentiert nachweisbar ist. Wer früh und vorbereitet in den Markt geht, findet aus dem kleinen Käuferpool die passende Nachfolge; wer wartet, konkurriert mit immer mehr Anbietern um immer weniger Interessenten. Warum das Timing zählt, lesen Sie im Ratgeber „Warum jetzt der richtige Zeitpunkt ist".
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