1 · Neuer Käufer am Markt: „Modern Insurance Technology" will Makler kaufen und mit KI profitabler machen
Ein neuer Konsolidierer betritt den deutschen Maklermarkt: Modern Insurance Technology, gegründet von den Branchenexperten Moritz Delbrück und Philipp Kanschik, will Versicherungsmakler übernehmen und die zugekauften Betriebe mit KI-Lösungen profitabler machen. Das Kapital kommt von einem im Maklermarkt bereits aktiven Private-Equity-Haus, berichtet der Versicherungsmonitor.
Die Käuferseite wächst weiter — das stärkt tendenziell die Verhandlungsposition von Verkäufern. Auffällig ist der KI-Fokus: Käufer dieser Generation bewerten Bestände stark nach Datenqualität im Maklerverwaltungsprogramm. Ein sauber gepflegter, digitaler Bestand wird für diese Käufergruppe messbar wertvoller sein als ein Aktenordner-Bestand mit identischer Courtage.
2 · AfW-Vermittlerbarometer: Nur 17,8 % der Vermittler haben ihre Nachfolge geregelt
Die Demografie-Zahlen des AfW-Vermittlerbarometers zeichnen ein klares Bild: Das Durchschnittsalter der Vermittler liegt bei 53,7 Jahren, zwei Drittel (67,2 %) sind 50 Jahre oder älter, nur 4,4 % sind 30 oder jünger (Pfefferminzia, Versicherungsbote). Zwar halten 72,1 % eine geregelte Nachfolge für „wichtig" oder „sehr wichtig" — konkret geregelt haben sie aber nur 17,8 %. Jeder dritte Vermittler will laut Barometer in den nächsten 15 Jahren aufhören (procontra).
Die Angebotswelle rollt an: Wenn in den kommenden Jahren tausende Bestände gleichzeitig auf den Markt kommen, konkurrieren unvorbereitete Verkäufer um die Aufmerksamkeit der Käufer. Wer seine Nachfolge vor der Welle regelt, verkauft in einem Verkäufermarkt — wer wartet, in einem Käufermarkt. Mehr dazu in unserem Ratgeber „Warum jetzt der richtige Zeitpunkt ist".
3 · M&A-Klima: Nach ruhigem Halbjahr kehrt „verhaltener Optimismus" zurück
Im ersten Halbjahr 2025 gab es im Versicherungssektor so wenige Übernahmen und Fusionen wie seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr. Die auf M&A spezialisierte Beratung Marshberry beobachtet im europäischen Maklermarkt inzwischen aber wieder „verhaltenen Optimismus": Private-Equity-Investoren bleiben bedeutsam, strategische Käufer greifen erneut zu (AssCompact). Beobachter erwarten, dass die Konsolidierung des fragmentierten deutschen Maklermarkts 2026 weitergeht — langfristig könnten weniger als 1.000 relevante Maklerunternehmen übrig bleiben (Versicherungsbote).
Zyklen im M&A-Markt bewegen die Kaufpreis-Multiples typischerweise um zehn bis zwanzig Prozent — eine gute Vorbereitung des Bestands bewegt zwanzig bis vierzig Prozent. Auf das perfekte Marktfenster zu warten lohnt selten; die Vorbereitung schlägt das Timing fast immer.
4 · Nachfrage bleibt hoch: Regionale Käufer suchen aktiv Bestände
Abseits der großen Konsolidierer bleibt auch die mittelständische Nachfrage stabil: Allein in den vergangenen Tagen meldeten sich über den Makler Nachfolger Club qualifizierte Kaufinteressenten aus München, Dresden, Deggendorf und Göppingen, die gezielt Bestände und kleinere Maklerunternehmen zur Übernahme suchen.
Nicht jeder Bestand passt zu einem PE-finanzierten Konsolidierer — für viele Verkäufer ist der regionale Nachfolger die bessere Lösung für Kunden und Mitarbeiter. Entscheidend ist, mehrere Käufergruppen parallel anzusprechen: Erst der Vergleich unterschiedlicher Käufertypen zeigt, was Ihr Bestand wirklich wert ist.
5 · Über den Maklermarkt hinaus: 109.000 Mittelständler pro Jahr suchen einen Nachfolger — jeder Vierte will schließen
Die Nachfolgefrage ist kein reines Makler-Thema: Laut dem aktuellen KfW-Nachfolge-Monitoring Mittelstand planen bis Ende 2029 jährlich rund 109.000 Inhaber kleiner und mittlerer Unternehmen die Übergabe an einen Nachfolger — weitere rund 114.000 pro Jahr wollen ihr Unternehmen mangels Nachfolger ganz schließen. 57 % der mittelständischen Unternehmerschaft sind 55 Jahre oder älter, der durchschnittlich angestrebte Verkaufspreis liegt bei rund 499.000 Euro. Bemerkenswert: 42 % der Schließungswilligen nennen Bürokratie als Grund — so viele wie nie (KfW-Pressemitteilung).
Maklerbestände konkurrieren am Nachfolgemarkt mit hunderttausenden anderen Unternehmen um Käufer, Berater und Finanzierungen. Die gute Nachricht: Ein Maklerbestand mit wiederkehrender Courtage ist für Käufer planbarer als die meisten anderen Geschäftsmodelle — er ist aber nur dann mehr wert als der Durchschnitt, wenn diese Planbarkeit auch dokumentiert nachweisbar ist. Und: Ein geordneter Verkauf schlägt die Stilllegung finanziell fast immer — auch bei kleinen Beständen.
6 · Steuer-Praxis für Selbstständige: Freibetrag und ermäßigter Steuersatz gibt es nur einmal im Leben
Wer als Selbstständiger seinen Betrieb — ob Maklerhaus oder anderes Unternehmen — verkauft oder aufgibt, kann den Veräußerungsgewinn erheblich entlasten: Ab dem vollendeten 55. Lebensjahr (oder bei dauernder Berufsunfähigkeit) gibt es den Freibetrag nach § 16 Abs. 4 EStG von bis zu 45.000 Euro, der bei höheren Gewinnen stufenweise abschmilzt, sowie auf Antrag den ermäßigten Steuersatz nach § 34 Abs. 3 EStG — beides jeweils nur einmal im Leben (Haufe). Ein aktueller Praxisbeitrag erinnert zudem daran, wie wichtig die saubere Abgrenzung zwischen Betriebsveräußerung und Betriebsaufgabe ist: Begünstigt ist nur, wer den Betrieb mit seinen wesentlichen Grundlagen so überträgt, dass er als Organismus fortgeführt werden kann (Dittmann Rechtsanwälte).
Weil Freibetrag und ermäßigter Steuersatz nur einmal nutzbar sind, gehört die Steuerstruktur an den Anfang der Verkaufsplanung — nicht ans Ende. Wer etwa kurz vor 55 steht, verschenkt mit einem übereilten Abschluss unter Umständen fünfstellige Beträge. Die Grundlagen und die richtigen Fragen für Ihren Steuerberater haben wir im Ratgeber „Steuern beim Bestandsverkauf" zusammengefasst. Wichtig: Dies ist keine Steuerberatung — die konkrete Gestaltung gehört zu Ihrem Steuerberater.
Eine erste Einschätzung mit unserem 3-Säulen-Modell und dem BQS-Score erhalten Sie in unter zwei Minuten — kostenfrei und unverbindlich.
Bestand jetzt bewerten →